Maßnahmen und Gesetze gegen Juden im Nationalsozialistischen Deutschland

(Quelle: http://forge.fh-potsdam.de/~SWABD/gesetze.htm)


1933


März

erste lokale Ausschreitungen der SA gegen Juden


1. April

Boykott jüdischer Geschäfte


7. April

Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums durch den Arierparagraphen werden die jüdischen Beamten (11. April), Arbeiter und Angestellte bei den Behörden (4. Mai) und jüdische Honorarprofessoren, Privatdozenten und Notare entlassen


22. April

jüdische Ärzte dürfen nicht mehr für Krankenkassen arbeiten


25. April

Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen Begrenzung der Anzahl jüdischer Schüler und Studenten entsprechend dem Bevölkerungsanteil auf 1,5 %


14. Juli

Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit.

Das Gesetz richtet sich gegen die Ostjuden


29. September

Reichserbhofgesetz: Bauer kann nur sein, wer deutscher Staatsbürger, deutschen oder stammesgleichen Blutes und ehrbar ist.


28. Dezember

jährliche Begrenzung der Neuaufnahme jüdischer Studenten an den Hochschulen auf 15 000


1934


5. Februar

Ausschluss jüdischer Studenten von Examen für Ärzte und Zahnärzte


22. Juli

Jüdische Studenten werden nicht mehr zu Prüfungen beim Jurastudium zugelassen


18. August

Einschränkung der Zahl jüdischer Berufsschüler


8. Dezember

Juden werden nicht mehr zur Apothekerprüfung zugelassen



1935


13. Februar

Zulassungsbeschränkung für Zahnärzte


Mai bis August

Boykottpropaganda gegen Juden gewaltsame Ausschreitungen in verschiedenen Städten lokale Verbote verbieten Juden den Zutritt zu Kinos, Schwimmbädern, Parkanlagen, Kurorten, Gaststätten


21. Mai

Arierparagraph für Offiziere


26. Juni

Juden wird der Eintritt in den Reichsarbeitsdienst verboten


8. Juli

Ariernachweis wird Voraussetzung für die Aufnahme in die Reichsschaft der Studierenden


25. Juli

Nichtarier werden vom Wehrdienst ausgeschlossen


6. August

jüdische Künstler werden im Reichsverband jüdischer Kulturschaffender zwangserfasst


10. September

Reichserziehungsminister Rust will noch im Schuljahr 1936 eine möglichst vollständige Rassentrennung durchführen


15. September

auf dem „NSDAP-Parteitag Parteitag der Freiheit“ werden das als Nürnberger Gesetze bekannte Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre verkündet.


14. November

Die erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz entfernt Juden aus dem Staatsdienst und den öffentlichen Ämtern.



1936



11. Januar

Juden dürfen nicht mehr als Steuerhelfer arbeiten


24. März

keine staatlichen Beihilfen mehr für kinderreiche jüdische Familien


26. März

Juden werden nicht mehr als Leiter oder Pächter von Apotheken zugelassen


15. Oktober

Jüdische Lehrer dürfen keinen Privatunterricht an „deutschblütige“ Schüler erteilen




1937



15. April

Juden dürfen nicht mehr promovieren


2. Juli

durch Runderlaß des Reichserziehungsministeriums werden Sonderklassen für jüdische Schüler an öffentlichen Schulen gebildet


4. November

Juden wird der Deutsche Gruß verboten



1938




28. März

Jüdische Gemeinden werden von bisher Körperschaften öffentlichen Rechts zu privaten Vereinen herabgesetzt


22. April

Verordnungen gegen die Tarnung jüdischer Betriebe durch arische Geschäftspartner


26. April

Anmeldung jüdischen Vermögens über 5 000 RM


19. Mai

1. Verordnung zum Personenstandsgesetz; frühere Zugehörigkeit zur jüdischen Religion ist zu vermerken


9. Juni

Zerstörung der Münchener Synagoge


14. Juni

jüdische Betriebe sind als solche zu kennzeichnen (3. Verordnung zum Reichsbürgergesetz)


15. Juni

Juni-Aktion ca. 1 500 jüdische Bürger werden, da sie als vorbestraft gelten (auch Verkehrsdelikt), verhaftet und in Konzentrationslager verbracht


Juni

Juden und Nichtjuden müssen in Krankenhäusern getrennt werden


6. Juli

Juden dürfen Auskunfteien, Maklergeschäfte, Bewachungsbetriebe, Heiratsvermittlungen, Hausverwaltungen, Fremdenführung und Wandergewerbe nicht mehr betreiben


23. Juli

Einführung einer mit J versehenen Kennkarte für Juden; gilt ab 1.1.39


25. Juli

allgemeines Berufsverbot für jüdische Ärzte; jüdische Ärzte dürfen nur noch Juden behandeln


10. August

Zerstörung der Synagoge in Nürnberg


17. August

Juden müssen ab 1.1.39 den zusätzlichen Vornamen Sara bzw. Israel annehmen Reichserziehungsminister Rust läßt die gesamte jüdische und hebräische Literatur in Deutschland erfassen


27. September

Berufsverbot für jüdische Rechtsanwälte; dürfen als Konsulenten nur noch jüdische Klienten vertreten


5. Oktober

Reisepässe von Juden werden eingezogen; Neuausstellungen sind mit einem J versehen


28. Oktober

17 000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit werden ausgewiesen und an die polnische Grenze gebracht


9. November

Sogenannte Reichskristallnacht deutschlandweite Progromnacht


10. November

Jüdische Zeitungen werden verboten; es erscheint nur das offizielle Jüdische Nachrichtenblatt


12. November

Verbot der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen; als Sühneleistung müssen die deutschen Juden 1 Milliarde RM zahlen


15. November

Verbot des Besuchs öffentlicher Schulen


19. November

Juden haben nur noch Anspruch auf jüdische Wohlfahrtsunterstützung


21. November

Judenvermögensabgabe wird bei einem Freibetrag von 5 000 RM auf 20 % des Vermögens festgesetzt


3. Dezember

Führerscheine und Kraftfahrzeugzulassungen von Juden werden eingezogen


8. Dezember

Verbot des Besuchs von Hochschulen


12. Dezember

Beschränkungen bei der Ausfuhr von Wertsachen und Devisen bei der Auswanderung


21. Dezember

jüdische Schulkinder weiterhin schulpflichtig; nur noch Besuch jüdischer Privatschulen erlaubt


28. Dezember

Judenbann Verbot des Besuchs bestimmter öffentlicher Einrichtungen; Fahrt in Schlaf- und Speisewagen wird für Juden verboten


31. Dezember

Jüdische Verlage und Buchhandlungen geschlossen


1939




1. Januar

Verbot aller jüdischen Organisationen


17. Januar

jüdischen Zahn- und Tierärzten sowie Apothekern wird die Zulassung entzogen


24. Januar

Reichszentrale für jüdische Auswanderung geschaffen; Leiter wird der Chef der Sicherheitspolizei Heydrich


21. Februar

Juden müssen Schmuck und Edelmetalle abliefern


4. März

arbeitslose Juden werden zu Zwangsarbeiten verpflichtet


24. März

die zerstörten Synagogen sind durch die jüdischen Kultusvereinigungen abzutragen


30. April

Juden müssen arische Wohnhäuser räumen und Judenhäuser beziehen


16. Juni

Heilbäder und Kurorte sind nur noch mit Sondergenehmigung und bei strikter Rassentrennung für Juden betretbar


1. September

Beginn des 2. Weltkrieges Ausgangsbeschränkung für Juden ab 20 Uhr, im Sommer ab 21 Uhr


20. September

Juden müssen Radioapparate abliefern


12./17. Oktober

erste Deportationen von Juden aus Österreich und den Protektorat Böhmen und Mähren nach Polen


19. Oktober

als Sühneleistung wird die Vermögensabgabe der Juden von 20 % auf 25 % erhöht



1940



23. Januar

Juden erhalten keine Reichskleiderkarte, Lebensmittelkarten werden mit einem J versehen


12./13. Februar

erste Deportationen von Juden aus dem Reichsgebiet (Schneidemühl, Stettin, Stralsund) nach Lublin


Juni

Juden ist das Einkaufen erst ab 15.30 Uhr erlaubt


Juni/August

Madagaskar-Plan Plan der Deutschlandabteilung des Auswärtigen Amtes, die europäischen Juden auf der französischen Insel zu deportieren


29. Juli

Juden werden Telefonanschlüsse gekündigt


22./23. Oktober

Juden aus Baden, Saarpfalz und Elsaß werden ins unbesetzte Frankreich deportiert; Internierung im Lager Gurs


24. Dezember

Juden müssen neben der Einkommensteuer noch eine 15%ige Sozialausgleichsabgabe entrichten



1941




7. Januar

Juden müssen Sondersteuer in Höhe von 15 % entrichten


7. März

Juden werden zur Zwangsarbeit herangezogen


1. September

Juden ab dem sechsten Lebensjahr müssen den Gelben Stern tragen


18. September

Juden benötigen Erlaubnis für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln


1. Oktober

Verbot der Auswanderung jüdischer Staatsbürger aus dem Deutschen Reich


14. Oktober


Befehl zur Deportation von Juden aus dem Reichsgebiet (auch Berlin), Transporte bis Januar 1942


25. November

deportierten Juden wird die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt; ihr Besitz verfällt dem Deutschen Reich


30. November

10 000 deutsche und einheimische Juden bei Riga erschossen


12. Dezember

Verbot der Benutzung öffentlicher Telefone für Juden



1942



20. Januar

Wannsee-Konferenz in Berlin: Maßnahmen zur Endlösung der Judenfrage beschlossen


15. Februar

Juden dürfen keine Haustiere halten


17. Februar

Juden dürfen keine Zeitungen und Zeitschriften halten


13. März

Juden müssen ihre Wohnungen kennzeichnen


Ende März

erste Transporte von Juden aus Deutschland und Westeuropa auch nach Auschwitz


12. Mai

Juden dürfen keine arischen Friseure aufsuchen


11./22. Juni

Juden erhalten keine Rauch- und Eierkarten


12. Juni

Juden müssen alle elektrischen und optischen Geräte, Fahrräder und Schreibmaschinen abliefern


Juni

Beginn der Massenvergasungen in Auschwitz/Birkenau; Deportationen nach Theresienstadt


1. Juli

Unterrichtsverbot für jüdische Schüler


30. Juli

Jüdische Gemeinden müssen jüdische Kultgegenstände aus Edelmetall abliefern


19. September

Juden erhalten keine Fleisch- und Milchmarken


5. Oktober

Himmler befiehlt die Deportation aller Juden aus Konzentrationslagern im Reich nach Auschwitz


9. Oktober

Juden dürfen nicht mehr in arischen Buchhandlungen kaufen



1943



27. Februar

Juden aus Berliner Rüstungsfirmen nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert


30. April

Juden wird die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen


19. Juni

Reichspropagandaminister Goebbels erklärt Berlin für judenrein


1. Juli

Juden in Deutschland verlieren Rechtsschutz durch die Justiz und unterstehen nur noch der Polizei


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